Der Giersch ist bei Gartenfreunden vor allem als extrem hartnäckiges Unkraut bekannt. Die wunderbare Heilwirkung der Pflanze ist allerdings den wenigsten geläufig. Giersch ist in ganz Europa verbreitet und zählt zu den Doldengewächsen.
Giersch wird bis zu einem Meter hoch. Die Stengel der Pflanze sind innen hohl und die Achsen der Blätter teilen sich in drei Teile, von denen jeder Teil abermals drei Blätter trägt. Die Unterseite der Blätter ist stark behaart, die Oberseite ist kahl und sie haben einen gesägten Rand. Die Pflanze hat den Blütenstand der Dolde. Diese setzt sich aus 10 bis 20 kleinen Dolden zusammen. Die Frucht des Giersch sind zwei längliche, ovale Schließfrüchte, die miteinander verbunden sind.
Das Aufkommen der Pflanze ist weit verbreitet: Man findet sie in ganz Europa (bis auf die Iberische Halbinsel), in den mäßigen Klimazonen Asiens und in Nordamerika. Giersch wächst vor allem in Hecken, Gebüsch, Parkanlagen und feuchten Wäldern. Er favorisiert stickstoffhaltige und grundwasserfeuchte Böden.
Sammelgut der Pflanze sind die Früchte und die Wurzel. Die Früchte werden im Juli und August gesammelt, wobei der krautige Teil des Giersch gepflückt wird, anschließend im Schatten getrocknet und zuletzt die Früchte herausgeklopft werden. Die Wurzel hingegen wird im Frühjahr oder Herbst gegraben.
Übersetzt man aus dem Griechischen „aigos“, so erhält man das Wort Ziege. „Podion“ steht für Füßchen. Dieser Teil des Ausdrucks gibt einen Hinweis auf die Anwendung. In der Heilkunde nennt man die rot angeschwollene und schrecklich schmerzende Zehe bei einem Gichtanfall: Podagra.
Das Podagrakraut wurde im Mittelalter in Klostergärten studiert und angebaut. Sie ist dem heiligen Gerhard gewidmet und erhielt in Großbritannien den Ausdruck „Herb Gerard“.
Schon Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Pflanze von Nicolas Culpeper in einem Kräuterbuch berücksichtigt. Er war der Ansicht, dass die Schmerzen der Gicht schon dadurch gemindert würden, wenn man den Giersch bei sich trug. Eine andere Wirkung, die der Pflanze zugesprochen wurde, war die Linderung von Hüftschmerzen. Dies betonte Tabernaemontanus, der sich bereits Ende des 16. Jahrhunderts intensiv mit dem Einfluss des Podagrakrauts befasst hatte.
Im 19. Jahrhundert haben Heilpflanzenkundige dazu geraten bei Gicht, Arthrose oder Ischias Gierschtee zu trinken. Dieser sollte mit Wein gemischt werden, um den abstoßenden Geschmack zu vertreiben.
Ein für allemal wurde Giersch durch den Kräuterpfarrer Künzle wieder in unsere Zeit gebracht. Künzle riet dazu, die Pflanze auch als Mittel gegen Zahnschmerz, Krampfadern, Husten und Verstopfungen zu nehmen.
Wirkung des Giersch
Reinigend
Entzündungshemmend
Harntreibend
Wirkstoffe
Mangan, Bor, Saponin, ätherische Öle, viel Vitamin C, Kupfer, Harz, itan, Polyin, Eisen, sehr viel Kalium, Karotin
Zur Beachtung:
Die Pflanze zählt zu den Doldenblütlern, bei denen durch Kontakt mit der Haut Reizungen auftreten können. Sonnenbestrahlung verschärft dieses Problem.
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